Viele Deutsche sind magisch von Italien angezogen. Die Schlagwörter für die Gründe sind Lebensqualität, Esskultur, Kulturfülle, Liebenswürdigkeit. Ach ja, die berühmte italienische Kinderliebe nicht zu vergessen.
Sie kaufen schöne Häuschen mit Meerblick, Appartments am See oder Wohnungen in den mittelalterlichen Stadtkernen, da wo Italien am schönsten ist. Vor dem Rentenalter investiert ein guter Teil der besserverdienenden deutschen Mittelschicht ihre auf die hohe Kante gelegten Sümmchen noch einigermaßen preisgünstig in Immobilien im schönen Mittelitalien. Als Rückzugsgebiet für ein schöneres Altern mit Qualität, wenn in Deutschland nur die Armen und Alten übriggeblieben sind.
Italien, ein Traumland?
Die Realität sieht anders aus. Italien ist fremdenfeindlich - solange der Fremde kein Tourist zum Ausnehmen ist, streitsüchtig, verlogen, ein eiskaltes, chaotisches, unverantwortliches Land, überzogen von einer bürokratischen Filzwirtschaft, in dem jeder nur an seinem persönlichen Vorteil interessiert ist. Viel Worte, keine Substanz, eine rein formale Höflichkeit. Bei der kleinsten Kontroverse löst sich diese in Nichts auf und die Schimpfwörter fliegen einem um die Ohren. In großen Teilen des Landes herrscht diffuse Illegalität, wo der Staat, meist machtlos, ohnmächtig die pax mafiosa gewähren lässt. Italien ist ein Land voller Schmutz, schön nur in seinen zur Schau gestellten Fassaden, ein Land mit dem ewigen Notstand als System. Sein eigener Umweltminister spricht von Italien als einem „last minute-Land, in dem sich nie endenwollende Notstände aneinanderreihen.
Überschwemmungen, Erdbeben, Erdrutsche,Waldbrände, Müllberge, notorischer Wassermangel im Süden, verschmutze Meere
Nach Schätzungen hat das Land in den letzten 30 Jahren 100 Milliarden Euro allein für seine Nostände ausgegeben. Notstand ist ein lukrativen System geworden.
Alle verdienen am unsauberen Geschäft mit dem Notstand, von der Öko-Mafia bis hin zu den deutschen Groß-Verbrennungsanlagen, wo der Müll oft landet - wenn er nicht vorher illegal an den Müllhalden dieser Welt „entsorgt“ worden ist.
Hunderte von Flüssen leiten die Kloake von Millionen von Menschen ungefiltert ins Meer. Reinigungsanlagen sind zwar gebaut worden, doch zum größten Teil stehen sie wie Kathedralen in der Wüste, veraltet, ohne Wartung, unbrauchbar. Auch in sogenannten Urlauberparadiesen wie auf der von deutschen Touristen besonders beliebten Insel Elba,.kann man in der Hochsaison in mit Kolibakterien völlig verschmutzem Meerwasser baden.
Zwischen 1991 und 2001 wurden insgesamt 13.000 Überflutungen und Erdrutsche gezählt, 100.000 betroffene Menschen. Es gibt zwar inzwischen eine „hydro-gelogische Zerrüttungsgefahren-Karte“ von Italien – sie betrifft 81,9 % aller Gemeinden, 6.633 an der Zahl, gut 10 % seiner Oberfläche – doch geschehen ist so gut wie nichts.
40 Milliarden Euro wären zur Sanierung und weitere 3 für die Sicherung der Küsten nötig - Italiens Haushaltsplan sieht gerade mal 220 Millionen für Umweltsanierung vor.
Im Land der Aquädukt-Erfinder verliert das marode Kanalisationssystem rund 45 % seines kostbaren Wassers. Mit 500 Euro pro Quadratmeter könnten die Häuser in erdbebengefährdeten Gebieten sicherer gemacht werden, doch 1.200 kostet ihre Rekonstruktion nach einem Erdbeben. 1994 brach in Apulien Cholera aus. Damals wurde beschlossen das ganze apulische Kanalisationssystem zu erneuern. Heute, im Jahr 2008, immer noch keine Spur davon!
„Vorbeugen ist besser als heilen“ scheint in Italien ein unbekanntes Sprichwort zu sein. Am Notstand verdient es sich besser. Der jährliche Haushalt des italienischen Katastrophenschutzes beläuft sich auf 2 Milliarden Euro. Die Hälfte davon wird für Zinsen auf gepumptes Geld für vergangene Katastrophen ausgegeben. Viel mehr wird für die großen Notstände ausgegeben, wenn die Welle der emotionalen und medialen Empörung besonders hoch geschlagen ist. Öffentliche Gelder fließen dann schneller und vor allem unkontrollierter. Oft in die Kanäle des organisierten Verbrechens, immer schnell zur Stelle, wenn Geldhähne unbürokratisch aufgedreht werden. Mit dem bei Ausschreibungen normalerweise vorgesehenen Mafia-Persilschein wird es dann nicht so genau genommen.
Wer in Italien kein Vitamin B hat, bleibt ebarmungslos auf der Strecke. Clans helfen Clans. Familien bringen ihre Familienangehörigen unter und wer keine helfende Hand über sich ausgebreitet hat, kommt nicht weit. Nur mit den richtigen Leuten im Bekannten- und Verwandtenkreis, macht man Karriere. Wer kein Geld hat, wird zum verlorenen Bittsteller, der zudem im maroden Justizsystem jahrelang auf sein eingeklagtes Recht warten muss.
Wie soll man sich in einem Land wohl fühlen können, in dem die politischen Parteien wie in Südamerika oder allenfalls in Afrika... „Haus der Freiheit“ oder „Olivenbaum“ heißen? In dem die abendlichen Talkshows eine Anhäufung von schrillem und hysterischen Geschrei sind? In dem auf seinen Autobahnen jeden Tag Kriege der Intoleranz geführt werden, während sich das restliche Europa um Erziehung genau zu dieser Toleranz bemüht?
Ich kann ihn schon hören den Chor der Empörung, der alle Italiener vereint, wenn ein „Ausländer“ es wagt ihre Schwächen aufzuzählen. Dann wird der sonst ach so brüchige Nationalstolz zelebriert.
martedì 5 febbraio 2008
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